Erhöhte Transparenz bei Aktiengesellschaften

18/05/2011

Seit Juni 2014 befindet sich der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) auf einem Rekordtief von 0,15 %. Der Einlagezins für Geld, das Banken bei der EZB parken, wird erstmals in den negativen Bereich gedrückt. Wenngleich die Investitionstätigkeit europäischer Unternehmen weit unter dem Niveau von 2007 liegt, wird für 2014 eine Zunahme der Kreditnachfrage von 3 % erwartet. Liegt ein Investitionsvorhaben und damit einhergehend Finanzierungsbedarf von Unternehmen vor, erschweren strenge Kapitalvorschriften nach Basel III die Kreditvergabe durch Banken.

Als Antwort auf die Verknappung von Krediten gewinnen innovative Formen der Finanzierung als Alternative zur klassischen Kreditfinanzierung zunehmend an Bedeutung. Investitionen von Unternehmen in Forschung, Innovation, Expansion sowie Akquisition können durch die richtige Kombination verschiedener Darlehenstypen mit Förderungen und Mezzaninkapital realisiert werden.

Direktdarlehen der EIB

Die Europäische Investitionsbank (EIB) stellt Darlehen für Projekte bereit, die den Zielen der EU entsprechen und sowohl technisch machbar als auch wirtschaftlich tragfähig sind. In Frage kommen Projekte im Bereich der Forschung, Entwicklung und Innovation. Mit der „Growth Finance Initiative“ bietet die EIB ein neues Instrument, das sich gezielt an mittelgroße Unternehmen mit Innovationsvorhaben richtet. Hier können Direktdarlehen zwischen € 7,5 Mio. und maximal € 25 Mio. bereitgestellt werden. 
Die Finanzierung von Klein- und Mittelbetrieben (KMU) stellt einen weiteren Schwerpunkt der Finanzierungstätigkeit der EIB dar. Hier arbeitet die EIB mit den Hausbanken der Unternehmen vor Ort als zwischengeschaltete Institute zusammen. Die Finanzierung der EIB wird den Unternehmen mittelbar über sogenannte Globaldarlehen zur Verfügung gestellt. Ein Darlehen der EIB kann bis zu 50 % der gesamten Investitionskosten abdecken. Zielgruppe sind KMU und Midcaps mit bis zu 3.000 Mitarbeitern.

Finanzleistungen des EIF

Der Europäische Investitionsfonds (EIF) bietet als Tochtergesellschaft der EIB eine breite Palette von weiteren Finanzleistungen passend für jede unternehmerische Phase. Diese reichen von Projektdarlehen über strukturierte Finanzierungen und Garantien bis zu Eigenkapital- und Fondsbeteiligungen sowie Risikokapital- und Mikrofinanzierungen.

Förderungen durch aws und OeKB

Die schleppende Darlehensvergabe ruft zudem verstärkt das Engagement von Förderstellen und Förderbanken auf den Plan. Unternehmen in Österreich dient dabei typischerweise die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (aws) als Wirtschaftsförderungsinstitut Österreichs bzw. bei Investitionen mit Auslandsbezug die Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB) als erste Anlaufstelle. Deren wichtigste Produkte sind Garantien und Bürgschaften, die in der Regel mit einer Deckungsquote von bis zu 80 % ausgestattet sind.

Private Equity und Mezzaninkapital

Wenn das vom Unternehmen (Sponsor) zur Verfügung gestellte Eigenkapital nicht ausreicht, um das zur Erlangung eines Bankdarlehens erforderliche Haftkapital bereitzustellen, besteht die Möglichkeit, von dritter Seite Private Equity oder Mezzaninkapital aufzunehmen. Beim Mezzaninkapital wird die Erhöhung des Kreditspielraums dadurch erzielt, dass es Fremdkapital gegenüber nachrangig ist. Die erhöhte Haftkapitalquote und das verbesserte Rating führen zu geringeren Kosten für das übrige Fremdkapital.

Das höhere Risiko des Mezzaninkapitals macht dieses gegenüber Fremdkapital teurer. Kann eine Finanzierung ohne weiteres Haftkapital von dritter Seite jedoch nicht realisiert werden, stellt Mezzaninkapital eine attraktive Alternative zu Private Equity dar, da hier eine Abgabe von Unternehmensanteilen nicht erforderlich ist. Auch ist ein zukünftiger Anteilsverkauf mittels Trade Sale oder Börsegang, der bei Private Equity üblicherweise vereinbart wird, hier keine Voraussetzung. Tilgung, Zinszahlungen und erfolgsabhängige Vergütung (Equity Kicker) werden aus den operativen Cash-Flow-Strömen bedient.

Off-Balance-Sheet oder „Non-Recourse”-Strukturen

Diese Strukturen können durch die Ausgliederung von z. B. neuen Geschäftsaktivitäten oder einer Akquisition in eine eigene Gesellschaft (Special Purpose Company oder SPC) noch begünstigt werden. Einerseits haftet der Unternehmer dann nur mit dem durch Bar- oder Sacheinlage zur Verfügung gestellten Kapital, andererseits erleichtert eine derartige Struktur die Hereinnahme von Mezzaninkapital.

Langfristige Strategie

Investitionen und Akquisitionen sind für Unternehmen in der Regel Weichenstellungen mit nachhaltiger Wirkung. Gerade heute ist es zur Umsetzung von derart bedeutenden Schritten eminent wichtig, die richtige Struktur der Finanzierung zu wählen, durch welche diese Maßnahmen teilweise erst realisierbar werden.

Autoren

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Johannes Reich-Rohrwig
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Karina Grossmayer
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