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CMS Infrastructure Index: Deutschland gehört zu attraktivsten Zielen für Infrastrukturinvestitionen, Niederlande auf Platz 1

30/11/207

Berlin - Deutschland gehört weltweit zu den attraktivsten Zielen für Infrastrukturinvestitionen. Das ist das Ergebnis der von CMS veröffentlichten Studie „Infrastructure Index: A New Direction“. Der Index bewertet anhand von sechs zentralen Kriterien die Attraktivität von 40 Ländern für Infrastrukturinvestoren.

Deutschland belegt in diesem Jahr Platz 3 im Index und wurde nur von den Niederlanden und Kanada überholt. Die gute Platzierung ist auf den in 2016 von der Bundesregierung verabschiedeten Bundesverkehrswegeplan 2030 zurückzuführen. Dieser sieht vor, dass bis zum Jahr 2030 rund 270 Milliarden Euro in rund 1.000 Straßen-, Schienen- und Wasserprojekte fließen. Darüber hinaus wird die Energiewende und die politische sowie makroökonomische Stabilität des Landes als Erfolgsfaktor angesehen. Dr. Christian Scherer-Leydecker, CMS-Partner und Co-Head des Bereichs Infrastructure in Deutschland, sieht den deutschen Infrastruktursektor angesichts der schwierigen Regierungsbildung auch vor Herausforderungen: "Die Chance der Umorganisierung der Bundes-Autobahnverwaltung mit Gründung der Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen muss genutzt werden, um Strukturen zu schaffen, die Investitionen in die Infrastruktur ermöglichen und sowohl für die öffentliche als auch für die private Seite attraktiv sind." Wesentlichen Nachholbedarf sieht er aber noch im Bereich der Schienen- und Wasserwegeinfrastruktur sowie bei Netzausbau und der Energiespeicherung, wo PPP (Private Public Partnership) in Deutschland bislang kaum präsent ist.

Den ersten Platz im Gesamtranking belegten die Niederlande, obwohl das Land nach den letzten Parlamentswahlen lange Zeit regierungslos war. Mit einem für 2017 prognostizierten BIP-Wachstum von 3,3 % steuert es auf die höchste Wachstumsrate seit 2007 zu. Den Erfolg im Ranking verdanken die Niederlande unter anderem ihren transparenten und effizienten Vergabeverfahren sowie der soliden, mehrere Milliarden Euro schweren Pipeline an PPPs in den Bereichen Straßenbau und Wasserversorgung. Neben Deutschland und den Niederlanden zählen zu den fünf Spitzenreitern Kanada, das Vereinigte Königreich und Australien.

CMS Infrustructure Index 2017

„Von der chinesischen Belt-and-Road-Initiative bis hin zu den durch die britische Brexit-Entscheidung verursachten Turbulenzen hat die Politik nach wie vor weltweit entscheidenden Einfluss auf Investments in Infrastrukturprojekte“, erklärt Kristy Duane, CMS-Partnerin im Vereinigten Königreich und Co-Head des dortigen Bereichs Infrastructure & Project Finance. „Regierungen, die auf der offensichtlich hohen Privatkapital-Welle reiten wollen, sollten sich von Ländern wie den Niederlanden und Kanada inspirieren lassen. Dort bestimmen Transparenz und eine klare strategische Vision für die Infrastrukturgestaltung die Tagesordnung.“

„Der CMS Infrastructure Index zeigt interessante Verlagerungen in der Attraktivität von 40 Ländern rund um den Globus auf und beleuchtet daneben Entwicklungen innerhalb der Assetklasse Infrastruktur, die einem Markt, der beim Dealflow lange Zeit von standardisierten PPP-Modellen abhing, neue Innovationsimpulse bescheren. Auf der Suche nach Deals prüft die Branche bereits auch weniger ausgereifte Sektoren wie beispielsweise Energiespeicherung, Breitband, Smart Meters, Studentenwohnheime und Schienenfahrzeuge. Es ist spannend zu beobachten, welche Länder hierbei führend sind“, so Duane weiter.

Aufschwung in Europa

Nach einer Phase der Stagnation erleben die europäischen Länder derzeit einen Aufschwung. Quantitative Lockerung, der Juncker-Plan sowie die Unterstützung durch die Europäische Investitionsbank (EIB) haben alle zur Erholung der EU-Infrastrukturinvestitionen in den letzten Jahren beigetragen. Zudem gestattet die starke Expansion in Ländern wie der Tschechischen Republik und Rumänien durchaus eine optimistische Einschätzung der zukünftigen Investitionsentwicklung.

Europa insgesamt verzeichnet eine starke Zunahme der Infrastrukturinvestitionen. Etliche Politiker haben auf entsprechende Investitionen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums gesetzt. Neben den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich erreichen laut Studie auch Deutschland, Norwegen und Frankreich insbesondere in puncto Innovation Spitzenplätze. In Deutschland finden PPPs die Unterstützung aller führenden Parteien, und es wird mit einem anhaltenden Dealflow vor allem bei großvolumigen PPPs im Transportsektor gerechnet.

Das Vereinigte Königreich bleibt hinter seinem Potenzial zurück

Es überrascht kaum, dass das Vereinigte Königreich seinen ersten Platz aus der von der Sozietät Nabarro im Jahr 2015 durchgeführten Vorgängerstudie nicht behaupten konnte. Die Auswirkungen des Brexit sowie der allgemeinen politischen Instabilität sind bereits bei den Infrastrukturinvestitionen zu spüren. Die verbreitete Ungewissheit im Land macht den Investoren zu schaffen. Branchenakteure vermissen dabei eine klare Verpflichtung der Regierung und eine langfristig orientierte Politik, die Vertrauen stiftet. Die Studie lässt vor allem den fehlenden Konsens bei Mega-Infrastrukturprojekten wie beispielsweise der dritten Landebahn für den Flughafen Heathrow und der Zugschnellfahrstrecke HS2 erkennen.

Kanada in Amerika führend

Auf dem Doppelkontinent Amerika hat Kanada einen klaren Vorsprung, während die USA wegen der noch unscharfen Konturen der von Donald Trump vorgeschlagenen Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von einer Billion US-Dollar nur Platz 7 erreicht. Die kanadische Regierung bringt noch im Jahr 2017 die Canada Infrastructure Bank an den Start und wird so den ohnehin bereits zuverlässigen Infrastrukturmarkt weiter stärken.

Von Öl zu erneuerbaren Energien

Die MENA-Region (Nahost und Nordafrika) hat sich im Kampf gegen die anhaltend niedrigen Ölpreise auf die Suche nach Alternativen begeben. So haben die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien großes Interesse an erneuerbaren Energien bekundet. Die VAE spielen bereits bei der Nutzung der in dieser Region starken Solareinstrahlung eine Vorreiterrolle, und die jüngsten Bekenntnisse Saudi-Arabiens zu sauberen Energien gelten als der Anfang eines Paradigmenwechsels bei der regionalen Projekt-Pipeline.

Neue Machtverhältnisse

Die seit 2013 in China laufende Belt-and-Road-Initiative beschert Asien einen Investitionsboom. Angesichts seiner langfristigen Auslegung dürfte dieses Projekt das Gleichgewicht der Infrastrukturinvestitionen in der Region grundlegend verändern.

Traditionelle vs. alternative Investments

Darüber hinaus geht die Studie auf mögliche neue Assetklassen wie 4G, Ladestationen und Parkhäuser sowie den technologischen Fortschritt ein, der bereits heute die Infrastruktur revolutioniert. Ein Beispiel dafür ist die Entstehung intelligenter Straßen und intelligenter Städte durch die Interaktion von Straßensensoren, Glasfasernetzen, vernetzten, autonomen Fahrzeugen und Straßenbelägen mit Induktionsschleifen für das automatische Aufladen von E-Autobatterien, die die Grundlagen für eine neue Generation selbstladender und selbstfahrender Elektrofahrzeuge schaffen. Städte wie Dubai und Singapur sind hier bereits dabei, eine Vorreiterrolle bei der nächsten Welle der Digitalisierung einzunehmen.

Die Studie wurde von CMS in Zusammenarbeit mit Inspiratia in Auftrag gegeben, um vergangene Entwicklungen zu evaluieren und Aufschluss darüber zu geben, welche Länder für zukünftige Investitionen und Aktivitäten am attraktivsten sein werden.

Der Index basiert auf sechs Hauptindikatoren:

  • Wirtschaftskraft: Berücksichtigt den Handel als Prozent des BIP, die Bonitätsbewertung sowie die Zinssätze und macht 30 % des Gesamtratings aus.
  • Nachhaltigkeit und Innovation: Berücksichtigt die ökologische Performance, Innovationen und die Qualität und den Konsolidierungsgrad der Infrastruktur und macht 12,5 % des Gesamtratings aus.
  • Steuerumfeld: Berücksichtigt den Körperschaftssteuersatz, den Ressourcenverbrauch und die Steuerkomplexität und macht 5 % des Gesamtratings aus.
  • Politische Stabilität: Berücksichtigt die Effizienz der Staatsführung und die Rechtsstaatlichkeit sowie die Stabilität des regulatorischen Rahmens und macht 22,5 % des Gesamtratings aus.
  • Ease of Doing Business: Berücksichtigt Transparenz und Unkompliziertheit der Geschäftsausübung und macht 10 % des Gesamtratings aus.
  • Private Beteiligungen: Berücksichtigt staatliche Förderung, Bruttoanlageinvestitionen und Privatinvestitionen und macht 20 % des Gesamtratings aus.
CMS Infrustructure Index 2017

Die komplette Studie finden Sie hier.

Pressekontakt
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Veröffentlichung
Pressemitteilung CMS Infrustructure Index, 30/11/2017
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