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Chance erheblicher Cash-Ersparnis im Auge des Corona-Sturms: die Aktiendividende

06/03/2020

Die Hauptversammlungssaison 2020 ist bereits im vollen Gange. Während manche Unternehmen – wie thyssenkrupp und Siemens – ihre Hauptversammlung schon abgehalten haben, stehen andere – wie Telekom oder Daimler – kurz davor oder befinden sich mitten in der Vorbereitungsphase. Für die Aktionäre beginnt damit die Zeit, in der sie von teils erheblichen Dividendenzahlungen profitieren können.

Gleichzeitig haben das Coronavirus und dessen Ausbereitung bereits jetzt schwerwiegende negative Auswirkungen auf das Geschäft und die Finanzkennzahlen der meisten börsen- und nicht börsennotierten Unternehmen. Der DAX hat von seinem Höchststand vor drei Wochen bereits über 15 Prozent verloren und auch die psychologisch wichtige 12.000 Punkte-Marke bereits deutlich unterschritten. Allgemein besteht die Befürchtung, dass die Ausbreitung des Virus und – damit verbunden – die konjunkturelle Talsohle sowie die Tiefststände an der Börse noch nicht ihren Höhepunkt erreicht haben. In einer solchen Situation ist es für Unternehmen von höchster Bedeutung, ihre Barmittel beisammen zu halten und ihr Eigenkapital zu stärken. 

Eine Möglichkeit, erhebliche Barmittel einzusparen, besteht darin, den Aktionären die Dividende in Form von Aktien (sogenannte "Aktiendividende" oder auch "Scrip Dividend") anzubieten. Bei dieser Form der Gewinnausschüttung steht die "Cash-Ersparnis" durch Reduzierung des als Bardividende auszuzahlenden Betrags im Vordergrund. Daneben wird auch das Eigenkapital gestärkt. Von den DAX-Konzernen konnte im vergangenen Jahr beispielsweise Vonovia eine Ersparnis von rund EUR 341 Mio. erzielen, die sie für andere Projekte einsetzen konnte. Auch aus den Reihen des MDAX (Deutsche Wohnen rund EUR 85 Mio.) oder des SDAX (ENCAVIS rund EUR 12 Mio.) haben in 2019 verschiedene Unternehmen von dieser Maßnahme profitiert.

Neben der Cash-Ersparnis und der Stärkung des Eigenkapitals hat die Aktiendividende weitere Vorteile: 

  • Erfüllung hoher Dividendenerwartung bzw. -ankündigung;
  • "Ausschüttung" des Bilanzgewinns ohne Einsatz von Liquidität (z.B. zugunsten von Wachstumsfinanzierung oder Verschuldungsabbau);
  • Ausgleich heterogener Aktionärsinteressen (Thesaurierung vs. Dividende);
  • schlanke Transaktionsstruktur.

Ausgestaltet ist die Aktiendividende entweder als Sachkapitalerhöhung mit der Ausgabe neuer Aktien gegen Einbringung des Dividendenanspruchs (mit Bezugsrecht der Aktionäre) oder als Tausch eigener Aktien gegen den Dividendenanspruch (mit eingeschränktem Bezugsrecht). In beiden Fällen bildet ein Hauptversammlungsbeschluss die Grundlage der Maßnahme. Dem Aktionär stehen im Rahmen der Aktiendividende die Optionen offen, dass er sich die Dividende ausschließlich in bar auszahlen lässt, diese in Form von Aktien erhält oder sich für eine Mischung Barauszahlung und Aktiendividende entscheidet.

Der Transaktions- und Kostenaufwand für die Ausgabe einer Aktiendividende ist mangels einer Prospektpflicht im Vergleich zu prospektpflichtigen Transaktionen und im Verhältnis zu den eingesparten Barmitteln relativ gering (und wird tendenziell noch günstiger, je öfter das Unternehmen seinen Aktionären die Aktiendividende anbietet). 

Sollten Sie darüber nachdenken, eine Dividende in Form von Aktien in Ihrer diesjährigen Hauptversammlung anzubieten, wenden Sie sich bei Rückfragen jederzeit gerne an die im Folgenden genannten Ansprechpartner.


Aktuelle Informationen zu COVID-19 finden Sie in unserem Corona Center. Wenn Sie Fragen zum Umgang mit der aktuellen Lage und den Auswirkungen für Ihr Unternehmen haben, sprechen Sie unser CMS Response Team jederzeit gerne an.


Autoren

Patrick Damanik
Patrick Damanik, LL.M.
Senior Associate
Frankfurt
Richard Mayer-Uellner
Dr. Richard Mayer-Uellner, LL.M. (University College London)
Partner
Köln
Andreas Zanner
Dr. Andreas Zanner
Partner
Frankfurt