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Veröffentlichung 24 Jul 2024 · Schweiz

KI Serie 6: Künstliche Intelligenz und Data Feeding: Wie kann ich "Daten" für die KI-Li­zen­zie­rung kom­mer­zia­li­sie­ren?

11 min. Lesezeit

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Wie in früheren Veröffentlichungen hervorgehoben, ist der Output von Künstlicher Intelligenz ("KI") nur so gut wie sein Input. KI-Tools – anders als herkömmliche Software – benötigen eine erhebliche Menge an Daten, um wertvolle Ergebnisse zu generieren. KI-Tools sind faszinierend, aber sie sind in vielerlei Hinsicht mit einem kleinen Kind/Baby vergleichbar. Einmal vorhanden, müssen sie ständig gefüttert werden, um zu wachsen, zu gedeihen und sich zu erhalten. Dies bietet Dateninhabern viele neue Möglichkeiten, ihre Daten zu kommerzialisieren, indem sie sie beispielsweise an KI-Tool-Anbieter lizenzieren und im Gegenzug eine Gebühr erhalten. Während es umfangreiche Kenntnisse über traditionelle Lizenzvereinbarungen (z.B. Marken, Patente, Urheberrechte) gibt, gibt es weniger Informationen über nicht-traditionelle Lizenzierungen von "Daten" oder Datensätzen. Dieser Artikel wird kurz die Natur solcher Datenlizenzierungsvereinbarungen (teilweise auch als Datenkaufvertrag bezeichnet) und die zu berücksichtigenden Risiken behandeln, wenn Sie die Lizenzierung Ihrer Daten für KI als neue Geschäftsmöglichkeit in Betracht ziehen.

1. Ist die KI-Datenlizenzierung für jeden attraktiv?

Sie könnten denken, dass der Verkauf oder die Lizenzierung Ihrer Daten an einen KI-Tool-Anbieter nicht für Ihr Geschäftsfeld relevant ist, weil Sie nicht in der Softwarebranche tätig sind oder keine grossen Datenmengen wie Technologieriesen besitzen. Vielleicht irren Sie sich da. Auch ein nicht-digitales Unternehmen könnte wertvolle Informationen/Daten für KI besitzen. Zum Beispiel könnte ein Stromanbieter wissen, wann und warum Strom von welchem Benutzer in welcher Region genutzt wird, was Einblicke in die vorausschauende Energieplanung in einer Schweizer Stadt bietet. Überlegen Sie also zunächst den Wert Ihrer Daten. Sie könnten auf einer Goldmine sitzen, ohne es zu wissen.

2. Was sollte ich tun, bevor ich Daten an einen KI-Tool-Anbieter weitergebe oder lizenziere?

Überlegen Sie, wem die Daten gehören. Nur weil Sie die Daten "besitzen", bedeutet das nicht, dass Sie berechtigt sind, sie zu verkaufen oder an Dritte weiterzugeben. Die Daten könnten Ihnen vertraulich anvertraut worden sein, was eine Offenlegung nicht erlaubt. Dies kann strafrechtliche Folgen haben, wie die Verletzung eines Geschäftsgeheimnisses nach Schweizer Strafrecht (Art. 162 StGB). Ausserdem könnten Ihre Daten durch Urheberrechte Dritter geschützt sein (z. B. Texte von Autoren oder Fotos), was eine Vervielfältigung oder Weitergabe ohne Lizenz verhindert. Am wichtigsten ist es, die Art Ihrer Daten genau bestimmen: Handelt es sich um Personendaten (d.h. Daten, die sich auf eine persönlich bestimmbare Person beziehen) oder nicht? Wenn ja, müssen Sie die datenschutzrechtlichen Implikationen der von Ihnen geplanten Datenweitergabe berücksichtigen. Haben Sie die Personen im Vorfeld darüber informiert, dass Sie Daten für Zwecke des maschinellen Lernens mit Dritten teilen könnten (und haben Sie grob erklärt, welche Art von Datenanalyse für welche spezifischen maschinellen Lernzwecke durchgeführt wird)? All dies ist vielleicht nicht so einfach zu beantworten, und Sie sollten so viele Informationen wie möglich vom KI-Tool-Anbieter über seine geplanten Aktivitäten einholen, um dann eine transparent Information der betroffenen Personen sicherzustellen. Denken Sie auch an wettbewerbs- und kartellrechtliche Aspekte: Im Allgemeinen sollten Daten nicht zwischen Wettbewerbern auf dem Markt ausgetauscht werden, da der Datenaustausch zwischen Wettbewerbern eine Absprache über Preise, Mengen oder Gebiete erleichtern kann.

3. Ok, das klingt schwierig. Ist die KI-Datenlizenzierung überhaupt legal?

Das oben unter 2. Diskutierte mag wie ein juristisches Minenfeld erscheinen. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass eine Weitergabe/Lizenzierung von Daten unmöglich ist. Die oben diagnostizierten Herausforderungen sind zu bewältigen, wenn sie sorgfältig aus rechtlicher Sicht betrachtet werden. Ziehen Sie die Anonymisierung relevanter Daten als zusätzliche Compliance-Massnahme in Betracht. Anonymisierung muss dauerhaft und irreversibel sein, um davon zu profitieren (der KI-Tool-Anbieter sollte nicht in der Lage sein, die Daten mit einem geeigneten Key zu ent-anonymisieren).

4. Ok, ich habe mich entschieden. Was ist ein KI-Datenlizenzvertrag und wie sollte ich einen solchen entwerfen?

Ein Lizenzvertrag gewährt jemandem das Recht, Ihre Daten für einen bestimmten Umfang, ein bestimmtes Gebiet und einen bestimmten Zeitraum zu nutzen, und es steht Ihnen sogar frei, bestimmte Formen von Nutzungsbeschränkungen zu vereinbaren. Ehrlich gesagt, können Sie im Internet einige Vertragsvorlagen finden und in Erwägung ziehen, Auszüge aus diesen zu verwenden, aber nicht alle werden passen, und das Gesamtbild wird nicht wie eine Vereinbarung erscheinen, die Ihre besonderen Bedürfnisse und Risiken widerspiegelt. Deshalb möchten wir Ihnen einen Überblick über die die wichtigsten Klauseln geben, die zu berücksichtigen sind:

  • Definieren Sie den Dateninhalt und das Format: Um welche Daten handelt es sich bzw. welche Eigenschaften haben sie? Erfüllen sie bestimmte Qualitätskriterien (können Sie z. B. garantieren, dass Ihre Daten korrekt sind, oder möchten Sie das lieber verneinen?). Überlegen Sie, ob die Daten nur einmalig zur Verfügung gestellt werden oder ob Sie bereit wären, Ihre Daten fortlaufend weiterzugeben (z. B. wenn sich die Metriken Ihrer Daten im Sinne einer Aktualisierung ändern und Sie diese dann weitergeben würden). Diskutieren Sie das erforderliche Format mit dem KI-Tool-Anbieter und achten Sie darauf, einzelne Datensätze zu kennzeichnen (z. B. mit Ziffern oder Hash-Werten). Daten sind für den KI-Tool-Anbieter nur dann von Nutzen, wenn er das entsprechende Format verwenden kann und wenn es mit anderen Datenformaten, die er eventuell von anderen Datenanbietern erhalten hat, kompatibel ist. Überlegen Sie auch, ob Sie Daten in die Sphäre des KI-Tool-Anbieters transferieren oder ob Sie nur "read-only"-Zugriff auf die in Ihrer Datenablage gespeicherten Daten gewähren möchten.
  • Berücksichtigen Sie Datenschutz- und IP-Fragen: Kann der KI-Tool-Anbieter davon ausgehen, dass Ihre Daten Personendaten enthalten oder dass sie pseudonymisiert oder anonymisiert sind? Um sich vor einer datenschutzrechtlichen Haftung zu schützen, sollten Sie idealerweise festlegen, dass der KI-Tool-Anbieter die Re-Identifizierung von Personendaten vermeidet. Sollte es dennoch zu einer Re-Identifizierung kommen (z. B. zufällig durch Big-Data-Analysen), sollte sich der KI-Tool-Anbieter verpflichten, alle einschlägigen datenschutzrechtlichen Bestimmungen gegenüber der jeweils betroffenen Person einzuhalten. Sind Ihre Daten urheberrechtlich geschützt, enthalten sie Geschäftsgeheimnisse oder sind sie durch Vertraulichkeitsverpflichtungen geschützt? Wenn ja, sollten Sie sicherstellen, dass nicht nur Ihre Datenweitergabe von den entsprechenden Rechteinhabern gebilligt wird, sondern auch, dass der KI-Tool-Anbieter diese Daten nicht an Dritte weitergeben, sondern in der Regel nur für eigene, interne Zwecke verwenden darf.
  • Umfang der Lizenz: In welchem Umfang und für welche Zwecke darf der KI-Tool-Anbieter die betreffenden Daten nutzen? Es liegt an Ihnen als Rechteinhaber Ihrer Daten, dies zu definieren. Während der KI-Tool-Anbieter (aus welchen Gründen auch immer) an einem möglichst grossen Anwendungsbereich interessiert sein mag, kann es in Ihrem Interesse sein, den Lizenzumfang zu beschränken. So könnten Sie z. B. keine kommerziellen Nutzungsformen zulassen wollen (weil Ihre Preisgestaltung diese Nutzungsformen nicht vorsieht) oder weil sie unethisch sein könnten. Berücksichtigen Sie auch den Aspekt der Unterlizenzierung. Wollen Sie zulassen, dass Daten vom KI-Tool-Anbieter an Dritte weitergegeben werden oder nicht? Bedenken Sie, dass Sie die Kontrolle über die Nutzung Ihrer Daten verlieren, je mehr Unterlizenzen Sie zulassen, und dass dies auch kommerzielle Auswirkungen auf den Wert Ihrer Lizenz hat.
  • Zahlung: Für die Gewährung einer KI-Datenlizenz können verschiedene Formen der Vergütung vereinbart werden. Eine einmalige Überlassung von Daten wird eher mit einer einmaligen Gebühr abgegolten, während ein ständiger Zugang zu den in Ihrer Datenablage gespeicherten Daten oder die regelmässige Bereitstellung von Datenaktualisierungen eher mit wiederkehrenden Gebühren abgegolten werden. Weitere Gebührenmodelle sind denkbar. Wenn z. B. die Daten gar nicht an den KI-Tool-Anbieter übertragen, sondern lediglich in einem "Datenpool" zugänglich gemacht werden, ist auch ein "Pay-per-Use"-Modell denkbar (basierend auf der Menge und/oder Intensität der Datennutzung).
  • Gewährleistungen, Zusicherungen, Haftung: Der KI-Tool-Anbieter könnte eine Garantie verlangen, dass Sie die Rechte zur Datenübertragung besitzen, und dass Sie alle erforderlichen Genehmigungen eingeholt bzw. alle erforderlichen Informationen an die betroffenen Personen weitergegeben haben. Stellen Sie sicher, dass Sie ebenfalls eine Garantie zugesichert bekommen: Der KI-Tool-Anbieter sollte zusichern und garantieren, dass er die Daten nur für die im Rahmen der Rechteeinräumung berechtigten Zwecke verwenden wird. IT-Sicherheit? Wenn anonymisierte Daten zugänglich gemacht wurden, sollten Sie eine Zusicherung verlangen, dass der KI-Tool-Anbieter keine Re-Identifizierungspraktiken vornehmen und/oder Sie informieren wird, wenn dies versehentlich geschehen sollte. Je nach Umfang der Daten, die Sie dem KI-Tool-Anbieter zur Verfügung stellen, könnte Ihr Risiko in Bezug auf die Genauigkeit und Qualität der Daten zu hoch sein. Stellen Sie daher sicher, dass Sie Ihre Garantien (z.B. dass die Daten nur "wie besehen" zur Verfügung gestellt werden) und Ihre Haftung (z.B. durch die Festlegung von Obergrenzen für den Schadenersatz oder die "Eignung" Ihrer Daten) begrenzen.
  • Cybersecurity und Prüfungsrechte: Der KI-Tool-Anbieter sollte verpflichtet werden, Ihre Daten mit angemessener Sorgfalt zu behandeln und Sicherheitsmassnahmen gegen unbefugte Dritte zu ergreifen. Je sensibler und persönlicher die Daten sind, die Sie weitergeben (siehe oben), desto mehr sollten Sie sich nicht nur auf Garantien und vertragliche Vereinbarungen verlassen, sondern auch spezifische Cybersicherheitsanforderungen in die "To do"-Liste des KI-Tool-Anbieters aufnehmen. Sie können dies zwar nicht immer sicherstellen/erzwingen, aber ein regelmässiges Audit-Recht gibt Ihnen ein Instrument an die Hand, um von Zeit zu Zeit zu beurteilen, ob der KI-Tool-Anbieter diese Anforderungen ernst nimmt oder nicht. Falls bei einem Audit Ungenauigkeiten festgestellt werden, sollte der KI-Anbieter für die Kosten aufkommen müssen.
  • Laufzeit und Kündigung: Sie könnten einwenden, dass Laufzeit und Beendigung übliche Standardklauseln sind. Das ist richtig. Aber bedenken Sie, dass die Kündigung im Zusammenhang mit der KI-Lizenzierung ein wirksames Instrument ist, um die Einhaltung der Bestimmungen durchzusetzen. Sollten Sie feststellen, dass Ihr Lizenznehmer die Daten unangemessen nutzt, ist eine frühzeitige Kündigung ein wirksames Mittel, um ihn zu disziplinieren. Einige Lizenzbedingungen sehen sogar vor, dass die Lizenz an die Einhaltung aller Lizenzbedingungen geknüpft ist, was dazu führt, dass die Lizenz automatisch ungültig wird, sobald eine Nichteinhaltung eintritt (wie dies häufig bei Open-Source-Softwarebedingungen der Fall ist). Dies ist eine weitere Möglichkeit, die KI-Lizenzbedingungen auf direktere Weise durchzusetzen. Die Vertragsdauer selbst ist in der Tat ein kommerzieller Aspekt, der sich auf den Vertragswert auswirkt und sich auch im Preisangebot widerspiegeln sollte.
  • Versicherung: Überlegen Sie, ob der KI-Tool-Anbieter eine angemessene Versicherung nachweisen sollte, um sicherzustellen, dass er die Haftungskosten, die er als Risiken im Rahmen seiner eigenen Gewährleistung/en übernimmt, auch tatsächlich tragen kann.

5. Das alles klingt kompliziert und zeitaufwändig. Gibt es einfachere und standardisierte Wege der KI-Datenlizenzierung?

Natürlich gibt es diese. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis standardisierte Angebote von grossen KI-Datensammler mit eigenen Vertragsbedingungen entstehen werden. Einige dieser Modelle sind bereits in der Musikindustrie und vor allem im Bereich der sozialen Medien/Nachrichten aufgetaucht (siehe z.B. die Bedingungen von Reddit, einem sozialen Nachrichtenaggregator, der sich das Recht vorbehält, die von Ihnen geteilten Daten für KI-Analysezwecke zu nutzen, und weitere soziale Medienplattformen, die dasselbe tun).

Es ist auch vorstellbar, dass grosse Aggregatoren längerfristig Daten vom Markt sammeln, sie zusammenstellen und dann an KI-Tool-Anbieter weiterlizenzieren. In der Musikindustrie ist diese Rolle bereits für Musikverlage üblich, die z. B. Songwriter unter Vertrag nehmen und Inhalte an Verwertungsgesellschaften, Plattenfirmen und Medienunternehmen lizenzieren. In diesem Zusammenhang könnten Sie wahrscheinlich Ihre Daten an solche grossen Datensammler "verkaufen", damit diese sie für Sie oder in ihrem eigenen Namen vermarkten.

Auch in der Open Source-Community werden wahrscheinlich standardisierte Vertragsbedingungen entstehen. Dies würde es Ihnen als Rechteinhaber ermöglichen, den Inhalt unter einer bekannten Open-Source-Lizenz zu veröffentlichen (Sie müssten dies irgendwo online mit "lizenziert unter den OSS-Bedingungen von [Name der OSS-Organisation] mit Lizenzbedingungen verfügbar unter [Link] angeben). Aus der Sicht eines Rechteinhabers könnten diese Modelle jedoch weniger attraktiv sein, da sie die Generierung von Einnahmen verhindern könnten.

Ausblick

Die KI-Datenlizenzierung ist ein neu aufkommender Trend, dem in Zukunft mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Während es Wissen über traditionelle Lizenzvereinbarungen gibt, ist die KI-Datenlizenzierung komplexer und sollte mit den spezifischen Anforderungen der etwas anderen Natur von "Daten" und der weniger vorhersehbaren Potenziale der KI zur Nutzung dieser Daten behandelt werden.

 

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