Erschienen in Die Presse | 22. Juni 2022
Im Gespräch. Fehler bei der Nachfolgeregelung können den Fortbestand eines Unternehmens gefährden. Rechtsanwalt und Universitätsprofessor Johannes Reich-Rohrwig erklärt, auf welche Stolpersteine man achten sollte.
Herr Professor, Ihr aktuelles Buch heißt: „Erbrecht: Richtig vererben, richtig schenken, Fehler vermeiden”. Was verstehen Sie persönlich darunter?
Bei einer Vermögensübergabe sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Man trägt ja nicht nur für sich Verantwortung, sondern auch für seine Familienmitglieder. Bei der Nachfolgeregelung kommt es darauf an, die Weichen so zu stellen, dass die Nachkommen nicht vor den Kopf gestoßen und gegeneinander ausgespielt werden. Ziel muss sein, dass alle weiterhin friedlich miteinander auskommen. Eine gute Lösung ist eine solche, in der sich alle wiederfinden.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Unternehmensübergabe und für die Errichtung des Testaments?
Beides sollte lieber früher als später erfolgen, denn nichts ist schlimmer, als ohne Testament zu versterben. Die gesetzliche Erbfolge führt häufig zu einer schlechteren Lösung. Auch darf eine Nachfolgeregelung keinesfalls unter Zeitdruck stehen. Sie sollte rechtzeitig erfolgen, bevor die geistigen Kräfte oder die Urteilsfähigkeit nachlassen und es für eine wohldurchdachte Lösung zu spät ist.