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Kurzarbeit, maßgeschneidert

Wir erarbeiten mit Ihnen das passende Modell

23/03/2020

Kurzarbeit in Österreich – Was ist für Unternehmen und Arbeitgeber_innen in der aktuellen Situation möglich?

Die aktuellen Entwicklungen und ihre Auswirkungen treffen Unternehmen auf verschiedenste Art und Weise und in unterschiedlichem Ausmaß. Die jeweiligen wirtschaftlichen Herausforderungen unterscheiden sich bis in die einzelnen Betriebsabteilungen stark. Die Zusammensetzung von Belegschaften ist bunt, Arbeitszeitmodelle sind vielfältig. Die guten Nachrichten: Die bereits viel diskutierten Sozialpartner_innenvereinbarungen (in der Folge kurz “SPV”) zur Kurzarbeit ermöglicht es in der jetzigen Fassung vielen Unternehmen, den derzeitigen schwierigen Herausforderungen mit maßgeschneiderten Lösungen zu begegnen.

Hier kommen Sie direkt zu den verschiedenen Modellen.

Die wichtigsten Eckpunkte, die Sie kennen müssen, um die für Ihr Unternehmen passende Kurzarbeitsvereinbarung treffen zu können, finden Sie hier:

1.Was ist Kurzarbeit und wer zahlt bei Kurzarbeit?

Kurzarbeit ermöglicht die Verkürzung der Arbeitszeit im Unternehmen bei vorrübergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Mit der verkürzten Arbeitszeit "verkürzt" sich zunächst auch der Entgeltanspruch der Arbeitnehmer_innen. Dieser Entgeltausfall wird durch die Kurzarbeitsunterstützung der Arbeitgeber_innen bzw die Kurzarbeitsbeihilfe des AMS weitgehend kompensiert: Im Ergebnis erhalten Arbeitnehmer_innen 80-90% ihres Nettoentgelts.
Arbeitgeber_innen zahlen für die geleistete Arbeitszeit also weiterhin Entgelt. Für die entfallenen Arbeitsstunden (Ausfallsstunden) schulden Arbeitgeber_innen die sogenannte Kurzarbeitsunterstützung, die wiederum durch die Kurzarbeitsbeihilfe vom AMS anhand von Pauschalsätzen ersetzt wird. Informationen zur Berechnung der Kurzarbeitsbeihilfe finden Sie hier:

AMS Downloads
AMS Rechner für Kurzarbeit

2. Kann Kurzarbeit nur für ein ganzes Unternehmen vereinbart werden? 

Kurzarbeitsmodelle können für ein ganzes Unternehmen, für mehrere oder einzelne Betriebe, oder Betriebsteile vereinbart werden. Dh bei unterschiedlichen Bedürfnissen sind auch innerhalb eines Unternehmens unterschiedliche Kurzarbeitszeitvereinbarungen möglich. 

3. Für wen kann Kurzarbeit vereinbart werden? Voraussetzungen und Ausnahmen

Von einem Kurzarbeitsmodell selbst können grundsätzlich alle Arbeitnehmer_innen umfasst werden, unabhängig vom Arbeitszeitausmaß oder von einem möglicherweise bestehenden Bestandsschutz. Denn Kurzarbeit bedeutet nichts anderes einen durch staatliche Beihilfen geförderten Entfall von Arbeitsstunden, bei der die vereinbarte Ausfallszeit bei jedem/jeder einzelnen Arbeitnehmer_in im Durchschnitt nicht mehr als 90% betragen darf.
 
Kurzarbeit ist also auch für Teilzeitbeschäftigte, Arbeitnehmer_innen in Eltern- oder Bildungsteilzeit, schwangere Arbeitnehmerinnen, ASVG-versicherte Geschäftsführer_innen, überlassene Arbeitskräften, Lehrlinge und sogar mit bestimmten bereits gekündigten Arbeitnehmer_innen möglich. „Nicht arbeitslosenversicherungspflichtige Personen, wie zB geringfügig Beschäftigte, können nicht Teil einer förderbaren SPV zu Kurzarbeit sein“. Die rechtlichen Besonderheiten der unterschiedlichen Beschäftigungsgruppen und Vertragstypen erfordern zum Teil zusätzliche Schritte laut SVP, wie etwa bei überlassenen Arbeitskräften. Sie sind aber vor allem bei der Wahl des konkreten Arbeitszeitmodells (siehe Punkt 4) zu berücksichtigen.

ACHTUNG: Die SPV zur Kurzarbeit sehen die Möglichkeit vor, bestimmte Gruppen pauschal von Kurzarbeit auszunehmen, nämlich Teilzeitarbeitnehmer_innen mit einem Beschäftigungsausmaß von weniger als 40%, Arbeitnehmer_innen in Altersteilzeit, Lehrlinge in laufenden Lehrverträgen, Arbeitnehmer_innen mit befristeten Verträgen, bereits gekündigte Arbeitnehmer_innen und Geschäftsführer_innen. 

4. Wie lange kann Kurzarbeit vereinbart werden? (Dauer der Kurzarbeit)

Kurzarbeit kann für eine Dauer von bis zu drei Monaten vereinbart und einmal um weitere drei Monate verlängert werden. Auch eine rückwirkende Vereinbarung von Kurzarbeit, bis zum 1.3.2020, ist möglich. Die Möglichkeit der rückwirkenden Vereinbarung von Kurzarbeit verlangt eine solide Analyse des Geltungsbereichs der Kurzarbeitsvereinbarung und auch des passenden Arbeitszeitmodells. 

ACHTUNG: Sämtliche von der Kurzarbeitsvereinbarung erfassten Arbeitnehmer_innen (einschließlich karenzierter Arbeitnehmer_innen) ergeben in Summe den vereinbarten Beschäftigtenstand. Dieser muss grundsätzlich während der Dauer der Kurzarbeit und der darauf folgenden, einmonatigen Behaltefrist beibehalten werden. Betriebsbedingte Kündigungen können daher nur mit Ausnahmebewilligung des AMS während der Dauer der Kurzarbeit bzw der Behaltefrist ausgesprochen werden. Kündigungen aus personenbezogenen Gründen oder (begründete) Entlassungen sind hingegen ohne Bewilligung zulässig.

5. Welches Kurzarbeitszeitmodell kann vereinbart werden und worauf ist bei der Auswahl zu achten?

Die SPV zu Kurzarbeit aufgrund der aktuellen Lage in Österreich:

(wko.at/service/sozialpartnervereinbarung-einzelvereinbarung.pdf  bzw. wko.at/service/sozialpartnervereinbarung-betriebsvereinbarung.pdf ) sieht insgesamt fünf verschiedene Modelle der Kurzarbeit vor. Die Modelle unterscheiden sich nach der Verteilungsart der reduzierten Normalarbeitszeit. 

Wichtig ist bei allen Modellen: Auch wenn die Arbeitszeit teilweise bei Null liegen darf, dh nicht gearbeitet wird, muss die geplante Normalarbeitszeit innerhalb des Kurzarbeitszeitraumes im Durchschnitt bei 10 bis 90 % der bisherigen vereinbarten Normalarbeitszeit liegen!


Modell 1 – Gleichbleibende Reduktion der Arbeitszeit

 In diesem Modell wird die reduzierte Normalarbeitszeit gleichbleibend auf die einzelnen Wochen des Kurzarbeitszeitraumes verteilt. So kann in diesem Modell zB die Arbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche herabgesetzt werden. 

ACHTUNG: In den SPV zur Kurzarbeit ist vorgesehen, dass in diesem Modell die Arbeitsleistung am Freitag ganz entfällt. Diese Verteilung ist aber nach der Handlungsanleitung der Sozialpartner_innen nicht zwingend.


Modell 2 – Zuerst keine, dann volle Arbeitszeit

In diesem Modell wird die reduzierte Normalarbeitszeit ungleich auf die einzelnen Wochen des Kurzarbeitszeitraumes verteilt: Zunächst wird gar nicht gearbeitet (Null-Arbeitsphase), während der restlichen Dauer der Kurzarbeit wird wie bisher (Voll-Arbeitsphase) weitergearbeitet (geblockte Kurzarbeit I).


Modell 3 – Zuerst keine, dann verringerte Arbeitszeit

In diesem Modell wird auch, wie im Modell 2, die reduzierte Normalarbeitszeit ungleich auf die einzelnen Wochen des Kurzarbeitszeitraumes verteilt. Allerdings folgt in diesem auf die eine Null-Arbeitsphase eine reduzierten Arbeitsphase. Dh, es wird zunächst gar nicht gearbeitet, dann zu einem bestimmten Prozentsatz der ursprünglich vereinbarten Normalarbeitszeit, zB 80 % (geblockte Kurzarbeit II). 
 
ACHTUNG: Wenn mehr gearbeitet wird als ursprünglich vereinbart, schadet es der Kurzarbeit nicht, es reduziert sich bloß die Kurzarbeitsbeihilfe durch das AMS im entsprechenden Ausmaß.  Wird dagegen weniger gearbeitet als ursprünglich vereinbart, muss für höhere Förderungen ein neuer Antrag beim AMS eingebracht und genehmigt werden.


Modell 4 – Wechselnder Dienstplan

Bei diesem Modell gilt zunächst die vor der Kurzarbeit gültige Arbeitszeiteinteilung. Die Ausfallstunden werden aber bei der Dienstplanung berücksichtigt. Diese Dienstpläne müssen den jeweiligen Arbeitnehmer_innen spätestens 14 Tage im Vorhinein mitgeteilt werden.
 
ACHTUNG: Modell 4 ist im Vergleich zu den anderen Modellen deutlich flexibler. Allerdings müssen die tatsächlichen Ausfallstunden genau beobachtet werden. Denn auch hier gilt: Wenn es zu einer Überschreitung der eingereichten und genehmigten Ausfallstunden kommt, dh weniger gearbeitet wird als geplant, muss für höhere Förderungen ein neuer Antrag bei AMS eingebracht und genehmigt werden.


Modell 5 – Gleitzeit

Bei diesem Modell wird eine bestehende Gleitzeitregelung an die reduzierte Kurzarbeitsdauer angepasst, und zwar befristet auf die Dauer der Kurzarbeit. 

ACHTUNG: Gleitzeit gibt Arbeitnehmer_innen zeitliche Selbstbestimmungsrechte, gerade auch über das Ausmaß der gearbeiteten Zeit. Arbeitgeber_innen haben daher nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, auf die geleistete Arbeitszeit und somit auf Höhe der Ausfallstunden Einfluss zu nehmen, die wiederum maßgeblich für die Höhe der Förderungen sind. Es bedarf daher eines engmaschigen „Ampelsystems“, damit der Überblick nicht verloren geht


6. Urlaubsverbrauch und der Verbrauch von Zeitguthaben?

Der Verbrauch von Alturlauben und Zeitguthaben ist ein weiteres wichtiges Element bei der Gestaltung der Kurzarbeit: Im Rahmen der SPV werden Arbeitnehmer_innen verpflichtet, auf Aufforderung der Arbeitgeber_innen vor oder während des Kurzarbeitszeitraums sowohl ihre Urlaubsguthaben aus vergangenen Urlaubsjahren als auch grundsätzlich alle sonstigen Zeitguthaben zu konsumieren. Arbeitgeber_innen müssen zum Verbrauch auffordern, wenn dies tunlich ist. Ein (gänzlicher) Verbrauch wird, je nach den Umständen des Einzelfalls, wohl dann untunlich sein, wenn Arbeitnehmer_innen zur Erbringung der (auch reduzierten) Arbeitsleistungen dringend benötigt werden, oder für Urlaubs- bzw Zeitausgleichskonsum dem Unternehmen die erforderliche Liquidität fehlt. 

In Betrieben mit Betriebsrat kann der konkrete Verbrauch des Urlaubs aus vergangenen Urlaubsjahren für alle oder für Gruppen von Arbeitnehmer_innen im Rahmen einer SPV zur Kurzarbeit terminlich generell fixiert werden. Bedarf es individueller Urlaubstermine, muss es bei Einzelvereinbarungen bleiben. Arbeitgeber_innen müssen sich um solche Vereinbarungen bloß ernstlich bemühen. 

Wichtig zu wissen: Urlaubstage sind keine Kurzarbeitstage. Sie müssen von Arbeitgeber_innen auf Basis des bisherigen Entgelts bezahlt werden, eine Kurzarbeitsbeihilfe steht nicht zu. Gleiches gilt für Zeiten, in denen Zeitguthaben verbraucht werden. Urlaubstage sind bei der Gesamtzeitdurchrechnung pro Urlaubstag mit der täglichen Normalarbeitszeit zu berücksichtigen. Bei einem Ausfallmodell von 90% auf bloß 10% der ursprünglichen Arbeitszeit sind daher rechnerisch zweieinhalb Monate einer Null-Arbeitsphase und weitere eineinhalb bis zwei Wochen Urlaubsverbrauch möglich.

7. Krankenstand während der KUA

Wie heute (Stand 23.3.2020) veröffentlicht, haben Arbeitgeber_innen in Zeiträumen, in denen eine Arbeitsleistung vereinbart wurde, nur die der in der KUA-Periode vereinbarten Arbeitszeit entsprechende Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall zu tragen. Der Krankenstand reduziert daher (anders als der Urlaub oder Abbau von Zeitguthaben) nicht die Kurzarbeitsbeihilfe des AMS. Die verrechenbaren Ausfallstunden bemessen sich am geplanten Arbeitsausfall. Arbeitnehmer_innen bekommen während des gesamten Zeitraums 80/85/90 Prozent des bisherigen Nettoentgelts.

8. Wie und wo können Arbeitgeber_innen Kurzarbeitsbeihilfe beantragen?

Sozialpartner_innen müssen der unternehmensintern unterfertigen Sozialpartner_innenvereinbarung zu Kurzarbeit zustimmen, das Unternehmen muss die Kurzarbeitsbeihilfe beim AMS mithilfe des Antragsformulars beantragen. Der jeweilige Ablauf des Verfahrens unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.

CMS: Wir erarbeiten mit Ihnen das passende Modell

Geförderte Kurzarbeitsmodelle bieten eine Vielfalt an Möglichkeiten, um den derzeitigen wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, ohne dass Kündigungswellen erforderlich sind. Wir unterstützen und beraten Sie gerne mit unserer Expertise und unserer Erfahrung bei der Gestaltung eines Kurzarbeitsmodells, das Ihren Bedürfnissen entspricht. Und auch in jenen Fällen, in denen Kurzarbeit – aus welchen Gründen auch immer – nicht vereinbart werden kann, stehen wir Ihnen ebenfalls beratend zur Seite.

Quelle
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