Werdegang
Dr. Sebastian Müller, LL.M. war bis 2018 im Frankfurter Büro für CMS im Bereich Tax tätig. Sebastian ist Mit-Gründer von right. based on science („right.“), einem Frankfurter Start-up, das mittels eines Modells errechnet, wie hoch der Beitrag einzelner wirtschaftlicher Einheiten wie Unternehmen zum Klimawandel ist. Im Januar 2020 hat right. based on science beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis den Next Economy Award in der Kategorie „Change“ gewonnen und mit dem Frankfurter CMS-Team, bestehend aus Dr. Florian Plagemann, Dr. Tobias Kilian und Dr. Joachim Dietrich, im Rahmen des CMS-eigenen Start-up-Förderprogramms equIP erfolgreich eine Finanzierungsrunde abgeschlossen.
Wie kam es nach Ihrer Zeit bei CMS in Frankfurt zur Gründung von right. based on science? Ich stelle mir vor, dass es ein ziemlich großer Unterschied war, von der Großkanzlei in ein eigenes Start-up zu wechseln.
right. wurde aus dem starken Bedürfnis heraus gegründet, das, was ich als richtig ansehe und theoretisch vertrete, auch praktisch demonstrieren zu können. Als richtig – und unserer Überzeugung nach für das Wohl einer Gesellschaft und einer damit einhergehenden gesunden Wirtschaft unterschätzt – sehe ich den respektvollen und klugen Umgang mit der Natur an, inklusive der des Menschen. Wissenschaft sollte einen erheblichen Teil dazu beitragen, die wertschöpfenden Aktivitäten des Menschen mit den physikalischen Gesetzen der vier Elemente zu vereinen. Deshalb habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, den Beitrag wirtschaftlicher Einheiten zum Erreichen internationaler Klimaziele sichtbar zu machen.
Dazu wird right. die Methode der wissenschaftlichen Emissionszielsetzung nicht nur stetig verlässlicher machen, sondern auch deren Anwendung im betrieblichen Kontext so vorantreiben, dass sie als organisatorische und finanzielle Bürde entstigmatisiert wird. Stattdessen soll sie als unverzichtbare Hilfe beim Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaft angesehen und damit etabliert werden.
Woran erinnern Sie sich besonders, wenn Sie an Ihre Zeit bei CMS zurückdenken? Was haben Sie bei CMS gelernt?
Ich durfte am Frankfurter Standort von CMS arbeiten und den Umzug in die neuen Räumlichkeiten am Mainufer miterleben – Räumlichkeiten, die eine für mich großartige Arbeitsatmosphäre geschaffen haben. Das Gebäude hat einen nahezu verschluckt in seine Welt. Weiterhin profitiere ich sehr von einer – im allerbesten Sinne – durch meinen Mentor Tillman Kempf geförderte Schärfung des kritischen Blicks auf eigene Ergebnisse und der kontinuierlichen Verschiebung eigener Grenzen. Zudem die hohe Genauigkeit der Arbeitsergebnisse. Daher auch der Unternehmensname „right.“ – wir möchten Dinge richtig machen.
Was ist die Idee von right. based on science und wie setzen Sie diese um?
Unsere Software befähigt dazu, den Beitrag einer wirtschaftlichen Einheit, z.B. eines Unternehmens oder eines Portfolios, zum Klimawandel zu berechnen. Ergebnisse werden greifbar in einer °C-Zahl ausgedrückt. Motor der Software ist das von uns entwickelte ökonomische Climate Impact Modell namens X-Degree Compatibility (XDC) Modell, welches wirtschaftliche Realitäten mit der Klimawissenschaft verbindet.
Ergebnisse von mit dem XDC Modell möglichen Szenarioanalysen können für das Setzen sowie das Management von Klimazielen, die Risikosteuerung, das Reporting (Inside-Out Perspektive der doppelten Wesentlichkeit) und die Kommunikation genutzt werden. Finanzmarktakteure können Konditionen von Green Bonds oder Krediten an die XDC knüpfen, Transitions- oder <2°C-kompatible Fonds mit der XDC gestalten sowie zielgerichtetes Engagement betreiben.
Können Sie mehr über die ganz unterschiedlichen Backgrounds der Mitarbeiter*innen erzählen? Wie sieht für Sie ein typischer Tag aus in Ihrem beruflichen Miteinander?
Wir sind aktuell 20 Teammitglieder aus sechs Nationen mit Hintergründen in verschiedenen Disziplinen: Rechts-, Finanz- und Wirtschaftswissenschaften, Physik, Mathematik, Datenwissenschaft, Modellentwicklung und natürlich Softwareentwicklung. In einer kreativen und zwanglosen Atmosphäre in unserem eher unkonventionellen Loftbüro gibt es abwechslungsreiche und herausfordernde Tage. Durch die Zusammenarbeit in einem multidisziplinären, internationalen Team mit flachen Hierarchien können wir dabei laufend unsere eigenen Grenzen verschieben und berufliche mit persönlichen Ambitionen verbinden.
Mit right. based on science haben Sie im Januar 2020 beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis den Next Economy Award gewonnen. Herzlichen Glückwunsch Ihnen und dem Team! Können Sie mehr über den Award und den „#whatif- Report“ berichten?
Vielen Dank für die Glückwünsche. Der Next Economy Award ist eine Auszeichnung für Start-ups, welche von dem Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. verliehen wird. Nach kritischer Prüfung unserer Bewerbungsunterlagen und der Vorstellung vor einer sehr gut besetzten Expertenjury durften wir den Preis in der Kategorie „Change“ entgegennehmen, was natürlich eine große Freude war. Dieser Award und unser „#whatif Report“, in dem wir unter Mitwirkung von mehr als der Hälfte der DAX 30 Konzerne die Ambitionen von deren Klimastrategien (sofern vorhanden) mit unserem XDC Modell in °C dargestellt haben, haben Ende 2019 zu einer gewissen medialen Aufmerksamkeit geführt. Die „börse vor acht“ hat z.B. eine ganze Sendung den Ergebnissen unseres „#whatif Reports“ gewidmet.
Wie kann ich mehr über Sie und Ihre Arbeit mit right erfahren?
Das gesamte Team von right. folgt regelmäßig Einladungen, bei Veranstaltungen zu unserer Arbeit zu sprechen. Als nächstes z.B. am 2. Juli 2020 bei dem BVI Nachhaltigkeitskonferenz in Frankfurt am Main. Eine gute Quelle für unsere Aktivitäten ist LinkedIn.
Wie geht die Reise weiter für Sie und Ihr Team?
Spannend! Ein nächster großer Schritt in 2020 wird die Investierbarkeit nach der Logik unseres XDC Modells. Unter Wahrung unserer Unabhängigkeit ist seit Anfang 2020 – mit der Unterstützung des CMS equIP Teams – u.a. der Indexprovider Solactive in uns investiert. Wir arbeiten gemeinsam fleißig an XDC Indizes. Zudem steht das XDC Modell bereits für die akademische Welt in unserem Projekt „right.open“ frei zur Verfügung – in 2021 werden wird den Quellcode Open Source stellen.
Herzlichen Dank für das Gespräch, Sebastian!
Das Interview fand im März 2020 statt.