Der Berufseinstieg in der Großkanzlei aus drei Perspektiven
Praktikant, Anwältin und Partner
Hauptansprechpartner:innen
Elisa und Devin – euer Berufseinstieg liegt noch nicht so weit zurück. Welche Vorurteile gegenüber Großkanzleien konntet ihr nach eurem Berufseinstieg direkt ausräumen?
Elisa
Ein Dozent sagte einmal zu mir: „Sein Privatleben gibt man am ersten Arbeitstag am Empfang der Großkanzlei ab.“ Entsprechend hatte ich mich auf lange Arbeitstage, kurze Nächte und wenig Freizeit eingestellt.
Nach meinem Einstieg habe ich gemerkt: Dieses Bild ist viel zu einseitig. Natürlich gibt es intensive Phasen und anspruchsvolle Mandate. Aber mein Privatleben musste ich keineswegs abgeben. Ich schlafe in der Regel genug, habe Zeit für Familie, Freunde und Sport – und erlebe den Arbeitsalltag deutlich ausgewogener, als es das klassische Großkanzlei-Klischee vermuten lässt.
Devin
Vor meinem Praktikum war mein Bild von Großkanzleien stark von Serien wie Suits geprägt: überarbeitete Anwältinnen und Anwälte, kaum Zeit für ein Leben außerhalb des Jobs und ein ausgeprägter Konkurrenzkampf untereinander. Dass die Arbeit anspruchsvoll ist, hat sich zwar bestätigt – aber vieles andere eben nicht.
Besonders überrascht hat mich, wie viel Teamgeist und Offenheit ich erlebt habe. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und habe gesehen, dass Familie, Hobbys und Sport neben dem Beruf durchaus ihren Platz haben. Das Vorurteil vom kühlen, rein konkurrenzgetriebenen Umfeld musste ich deshalb schnell revidieren.
Es freut uns natürlich, dass sich diese Vorurteile nicht bewahrheitet haben. Gerade Praktikant:innen erleben den Kanzleialltag oft zum ersten Mal und bekommen dabei einen ganz neuen Blick auf die Arbeit in einer Großkanzlei. Rolf, zweimal im Jahr bieten wir Praktikant:innen die Möglichkeit, ein bisschen Großkanzlei-Luft zu schnuppern: Wie bindet ihr sie im Team ein?
Rolf
Wir versuchen, unsere Praktikant:innen von Anfang an möglichst nah in den Arbeitsalltag einzubinden. Das heißt: Sie schauen nicht nur zu, sondern übernehmen auch eigene Aufgaben in der Mandatsarbeit. So bekommen sie einen realistischen Eindruck davon, wie wir arbeiten und sind gleichzeitig eine echte Unterstützung für das Team.
Gab es einen Moment, in dem du gemerkt hast: Ich bin hier wirklich Teil des Teams?
Devin
Bevor es losging, wurde mir immer erklärt, worum es im Fall insgesamt geht: Wer ist beteiligt? Was ist passiert? Worum geht es rechtlich? Erst danach kam meine konkrete Aufgabe. Dadurch konnte ich sie viel besser einordnen und hatte das Gefühl, wirklich einen Beitrag zu leisten.
Was ist eurer Meinung nach die wichtigste Fähigkeit im Berufsalltag, die weder durch ein Lehrbuch noch durch ein Studium vermittelt werden kann?
Rolf
Dass die hohe Kunst der anwaltlichen Beratung darin liegt, zunächst zu verstehen, welches wirtschaftliche Ziel der Mandant erreichen möchte, dann den rechtlich relevanten Sachverhalt präzise zu ermitteln und schließlich das gelegentlich durchaus komplizierte Recht in verständliche und praktisch handhabbare Handlungsempfehlungen zu „übersetzen“.
Devin
Wie ich meine Ergebnisse verständlich ausdrücke und mich dadurch vom universitären Stil entferne. Einfach zu kommunizieren ist eine unterschätzte Fähigkeit, die gerade in unserem Fachbereich viel mehr Anerkennung bekommen sollte.
Vor welchen Situationen hattet ihr am Anfang am meisten Respekt, die heute für euch ganz normal sind?
Elisa
In komplexen, von Sachverhaltsunsicherheiten durchlöcherten Konstellationen den Mandanten zu strategisch sinnvollen Entscheidungen verhelfen. Genau hier hilft ein kühler Kopf – und Humor.
Devin
Die Vorstellung, einmal nicht weiterzuwissen und Rückfragen stellen zu müssen, fand ich zu Beginn sehr unangenehm. Durch meine ersten Erfahrungen habe ich jedoch schnell gemerkt, wie falsch dieses Bild war und wie offen bei CMS tatsächlich mit Fragen und Klärungsbedarf umgegangen wird.
Großes Thema Mandantenkommunikation: Ab wann durftest du bei CMS das erste Mal direkt mit Mandanten kommunizieren?
Rolf
Ich erinnere mich gerne daran, dass ich etwa einen Monat nach meinem Start bei CMS von meinem damaligen Mentor zu einer Besprechung mit einem Mandanten in einer Fusionskontrollsache geschickt wurde, um ein für die rechtliche Bewertung womöglich sehr wichtiges Sachverhaltsdetail aufzuklären. Da hatte ich ziemlich Lampenfieber.
Elisa
E-Mails an Mandanten habe ich von Tag eins an vorbereitet. Selbst verschicken durfte ich sie bereits in den ersten Monaten. Außerdem durfte ich von Beginn an an Mandantengesprächen teilnehmen und nach etwa einem halben Jahr erste Gespräche eigenständig führen.
Devin, wie war deine Erfahrung - wann bist du das erste Mal mit Mandatsarbeit in Berührung gekommen?
Die Einführung in die Mandantenarbeit hat praktisch zeitgleich mit meinem Start ins Praktikum begonnen. Jede Aufgabe hatte einen direkten Praxisbezug und ich konnte zusätzlich bei vielen fortgeschrittenen Tätigkeiten über die Schulter schauen und meine eigene Meinung einbringen.
Welchen Rat würdet ihr jemandem geben, der das Fach spannend findet, aber an sich zweifelt?
Rolf
Geht die Zweifel aktiv an und schaut euch die Tätigkeit im Rahmen eines Praktikums, der Anwaltsstation im Referendariat oder einer wissenschaftlichen Mitarbeit genauer an. Für die Arbeit im Kartellrecht sind vor allem Akribie und Freude an vielfältigen, teils komplexen wirtschaftlichen, technischen oder anderen Zusammenhängen wichtig. Gleichzeitig sollte man als Beraterin oder Berater Spaß am Umgang mit Menschen haben – mit Mandanten genauso wie mit Kolleginnen und Kollegen.
Elisa
Selbstzweifel sind oft nur ein Zeichen dafür, dass einem etwas wirklich wichtig ist. Echtes Interesse ist wertvoll und der entscheidende Antrieb – also auf keinen Fall aufgeben! Die juristische Ausbildung verlangt viel Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz. Aber Ausdauer und strukturiertes Arbeiten zahlen sich aus, wenn man sich wirklich für das Fach begeistert.
Devin
Es ist viel einfacher, Dinge in der Realität zu erleben, als sich vorher auszumalen, welche Hürden einen vielleicht erwarten könnten. Jede Chance sollte genutzt werden, denn gerade rückblickend merkt man oft, wie viel man gelernt hat – und dass einen viele Ängste völlig unbegründet zurückgehalten haben.
Wie schafft ihr es, bei neuen und sich dynamisch entwickelnden Themenfeldern am Ball zu bleiben und schnell Expertise aufzubauen?
Elisa
Zu neuen, sich noch entwickelnden Themen findet vor allem ein standortübergreifender Austausch innerhalb der jeweiligen Geschäftsbereiche von CMS statt, sodass alle Kolleginnen und Kollegen von den Erfahrungen der anderen profitieren können. Bei übergeordneten Themen, etwa technischen Entwicklungen, unterstützen uns außerdem unsere Teams aus dem Knowledge Management sowie aus Legal Tech und KI.
Wie ist es dir gelungen, dich in die Themen einzuarbeiten und dich mit der Arbeitsweise vertraut zu machen?
Devin
Mir wurde immer genug Zeit gegeben, mich in neue Aufgaben einzuarbeiten. Ich konnte jederzeit Fragen stellen und mich an früheren Ergebnissen orientieren. So habe ich schnell ein Gefühl für die juristische Arbeitsweise bekommen und verstanden, worauf es aus Anwaltssicht wirklich ankommt.
Herzlichen Dank an Devin, Elisa und Rolf für die persönlichen Einblicke und offenen Antworten.
Für alle, die mehr über den Einstieg bei CMS erfahren möchten oder sich für Karrierewege bei uns interessieren: Meldet euch gerne bei uns.