Open navigation
Suche
Suche

Wählen Sie Ihre Region

CMS-Was­ser­stoff-Fo­rum

Ein geschlossener Ruf der Industrie und Wirtschaft nach einem gesicherten Rechtsrahmen für Investitionen in Wasserstoff

23 May 2022 Deutschland 5 min. Lesezeit

Auf dieser Seite

Autorin: Anastasia Shelestova

Düsseldorf (CMS) - Wasserstoff wird einer der zentralen Schlüssel der beschleunigten Energiewende sein. Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft bewegt die Industrie, Wirtschaft und Politik. Es überrascht also nicht, dass beim CMS-Wasserstoff-Forum am 19. Mai 2022 in Düsseldorf mit dem Thema „Politische Rahmenbedingungen und Förderung: Wie kann der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft gelingen?“ ein reger Austausch einer Vielzahl von Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie und Wirtschaft stattgefunden hat.

Kaufmann: Eine Vielzahl von Förderprogrammen entsteht

Den Auftakt zum CMS-Wasserstoff-Forum machte der Innovationsbeauftragte „Grüner Wasserstoff“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Dr. Stefan Kaufmann, mit einem Überblick über die Vielzahl der europäischen und deutschen Förderprogramme. Am Vortag der Veranstaltung hatte die Europäische Kommission ihr REPowerEU Programm zur Diversifizierung der Energieversorgung und dem Ausbau erneuerbarer Energien in der EU vorgestellt. Eines der Bottlenecks für die Wasserstoffwirtschaft werde der Ausbau der Elektrolysekapazität von aktuell etwa 2 auf 200 GW an Elektrolysekapazität bis 2030 sein. Hierfür werde ein massiver Anstieg an Wasserstoffprojekten im In- und Ausland erforderlich sein. Die Förderung durch Programme wie „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEI) und H2Global (H2Global) befinde sich bereits in den ersten Umsetzungsphasen. Die erst Ausschreibung für H2Global solle noch in diesem Jahr stattfinden. Einen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten solle die neu eingerichtete Lotsenstelle Wasserstoff der Bundesregierung (Lotsenstelle Wasserstoff) liefern und ein zentraler Ansprechpartner werden.

Positive Aufbruchstimmung in der Wasserstoff-Community

Eine positive Aufbruchstimmung in der Wasserstoff-Community erlebt auch Dr. Isabel Kundler (DECHEMA e.V.). Sie beobachte, dass verschiedene Forschungsgruppen sich intensiv mit der Frage nach einem regulatorischen Rahmen beschäftigen, der Planungssicherheit und Anreize für Investitionen in Wasserstofftechnologien bewirken könne. Die größte Herausforderung, vor der die Forschung und Wirtschaft stehe, sei der Aufbau eines Marktes für Wasserstoff vor dem Hintergrund, dass neben hohen Wasserstoffmengen auch hohe Mengen an erneuerbarer Energie dringend für alle Sektoren gebraucht werde. Frau Kundler berichtete von den Wasserstoff-Leitprojekten (Wasserstoff-Leitprojekte) und ermutigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ihre Projekte weiter voranzubringen.

Der Rechtsrahmen für Investitionen steht noch aus

Eine Schlüsselfrage bestimmte sowohl die Fragen aus dem Publikum als auch die anschließende Podiumsdiskussion: Wie sollen die Investitionsentscheidungen für Wasserstoffprojekte getroffen werden, wenn der gesicherte Rechtsrahmen für grünen Wasserstoff noch nicht feststeht? Der langersehnte delegierte Rechtsakt der Europäischen Kommission, mit dem der grüne Wasserstoff einheitlich und verbindlich definiert werden soll, wurde nicht zusammen mit dem REPowerEU Programm am 18. Mai 2022 veröffentlicht. Einen Entwurf veröffentlichte die Europäische Kommission am 20. Mai 2022 nach dem CMS-Wasserstoff-Forum. Zu diesem Entwurf läuft nun bis zum 17. Juni 2022 eine Frist für Rückmeldungen.

Jasmin Kaboni-Voit (RWE Generation SE) berichtete, dass RWE derzeit die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette mit Projektentwicklungen abdecke. Ihre praktische Erfahrung aus den Projekten zeige jedoch, dass der aktuelle Bedarf der Industrie nach grünen Molekülen ohne rechtlich gesicherte Investitionen nicht langfristig gewinnbringend gedeckt werden könne. Auch Christopher Frey (Sunfire GmbH) berichtete, dass Sunfire den Kapitalstock für Wasserstoffprojekte erweitert habe. Für die Projekte stehe jedoch die EU-Notifizierung aus, sodass die Umsetzung stocke. Für den beschleunigten Ausbau solle man außerdem über die Umwidmung bestehender Anlagen nachdenken. Für einen verbindlichen Rechtsrahmen plädierte auch Werner Trabesinger (Pexapark). Auch auf dem PPA-Markt brauche man einen gesicherten Investment Case.

Zertifizierung und Infrastruktur für grünen Wasserstoff

Mit den Kriterien für grünen Wasserstoff beschäftigt sich Paula Maria Auer-Saupe (TÜV Süd). Eine global akzeptierte Definition werde es zwar voraussichtlich in absehbarer Zeit nicht geben. Der TÜV Süd habe jedoch den Zertifizierungsstandard CMS 70 „Green Hydrogen“ entwickelt, der sich an der deutschen und europäischen Gesetzgebung orientierte. Er definiere Anforderungen an die Einsatzstoffe, die eingesetzte Energie und die Berechnung des Treibhausgas-Minderungspotenzials für grünen Wasserstoff. Derzeit arbeite der TÜV Süd an der Entwicklung von digitalen Zertifikaten mit dem Einsatz der Blockchain-Technologie, die auch bei der Förderung durch das H2Global-Programm zum Einsatz kommen könne.

Dr. Christian Terhürne (Thyssengas) brachte Themen der Wasserstoffinfrastruktur in die Podiumsdiskussion ein. Die erforderlichen Gasleitungen stünden in Deutschland vielerorts bereit und müssten entsprechend umgewidmet werden. Man solle bei dem Netzausbau auf alle Kunden und nicht nur auf bestimmte Industriezweige setzen. „Ohne Netz kein Markt“, lautete sein Fazit. Ergänzend sollten außerdem Projekte für Biomethan und synthetisches Methan wie derzeit im Aufbau in Afrika ausgebaut werden.

Eine Jahrhundertaufgabe gemeinsam schaffen

Dr. Astrid Roesener und Dr. Friedrich von Burchard (beide CMS) fassten zusammen, dass die Industrie, Wirtschaft und Forschung selten in ihren Forderungen nach verbindlichen Kriterien und angemessenen Gestaltungsmöglichkeiten so geschlossen aufgetreten seien. Mit der Aufgabe, eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft aufzubauen, stehe eine Industrierevolution binnen kürzester Zeit an, die man nur in Zusammenarbeit mit sämtlichen Akteuren aus Industrie, Wirtschaft, Politik und Forschung meistern könne. Es gilt, eine Industrieabwanderung ins Ausland zu verhindern und die europäische Vorreiterrolle für grünen Wasserstoff auszubauen. Es bleibt zu hoffen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim nächsten CMS-Wasserstoff-Forum von ihren Erfahrungen aus neuen Projekten auf Grundlage eines ausgewogenen Rechts- und Förderrahmens berichten können.

Entdecken Sie mehr

Zurück nach oben Zurück nach oben