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Women’s Health und Femtech gewinnen bei M&A-Transaktionen und Investments im Gesundheitsmarkt an Bedeutung. Women’s Health (Frauengesundheit) beschreibt den medizinischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedarf rund um die Gesundheit von Frauen über den gesamten Lebenszyklus. Femtech bezeichnet demgegenüber technologiegetriebene Produkte und Dienstleistungen – etwa Apps, digitale Services, Medizinprodukte, Wearables, Diagnostik, Software und datenbasierte Lösungen –, die diesen Bedarf adressieren. Beide Begriffe gehören zusammen: Women’s Health beschreibt den Markt; Femtech ist häufig der innovationsgetriebene Zugang zu diesem Markt.
In der Praxis rücken Women’s Health-Produkte und Geschäftsmodelle, wie etwa Fertility-Klinikketten, Femtech-Start-ups und Women’s-Health-Geschäftsbereiche etablierter Pharmakonzerne, verstärkt in den Fokus von strategischen Investoren und Finanzinvestoren. Dass dieser Markt inzwischen transaktionsrelevant ist, unterstreicht ein aktuelles Beispiel: Am 10. Juli 2026 hat Bayer eine Vereinbarung mit Apollo Global Management über eine Kapitalzuführung von EUR 3 Mrd. abgeschlossen. Apollo erhält eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft für das Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva (LARC), während Bayer die Mehrheit und die operative Kontrolle behält. Der Vollzug der Transaktion wird – vorbehaltlich der Zustimmung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden und weiterer Vollzugsbedingungen – für das 2. Halbjahr 2026 erwartet. Women’s Health und Femtech sind damit nicht mehr nur medizinische und gesellschaftliche Themen, sondern zunehmend eigenständige Investitions- und Transaktionsfelder innerhalb von Life Sciences und Healthcare.
Dass Women’s Health und Femtech lange unterschätzt und unterfinanziert waren, hat strukturelle Gründe. Frauen waren in medizinischer Forschung, klinischen Studien und Datensätzen systematisch unterrepräsentiert. Daraus folgt ein Gender Health Gap, der Versorgung, Diagnostik, Prävention und Produktentwicklung bis heute prägt. Diese Unterfinanzierung sowie Unterrepräsentation spiegelten sich in der Vergangenheit bei M&A-Aktivitäten, die es nun zu beheben gilt.
Women’s Health und Femtech: Markt-, Investment- und Exit-Dynamik
Die wirtschaftliche Relevanz des Segments zeigt sich insbesondere in der Markt- und Exit-Dynamik. Beispielsweise verweist der Femtech Market Overview (2025) – je nach Marktdefinition – auf ein globales Femtech-Marktvolumen von über USD 75 Mrd. bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 13,3 % im Zeitraum 2020 bis 2025; Statista (2024) erwartet bis 2030 ein Überschreiten der USD 100-Mrd.-Marke. Laut dem Femtech Market Overview (2025) sind die Länder mit der höchsten Anzahl an Femtech-Unternehmen die USA und Großbritannien. Rund 55 % der Unternehmen entfallen auf Nordamerika, etwa 25 % auf Europa. Gleichzeitig bleibt der Markt im Vergleich zum breiteren Healthtech- und Life-Sciences-Markt unterfinanziert. Für Investoren kann diese Kombination aus wachsendem Bedarf, struktureller Unterversorgung und Finanzierungslücke attraktiv sein: Sie eröffnet Chancen für frühe Beteiligungen, Plattformbildung und spätere Exits.
Auch realisierte Transaktionen stützen diese Einordnung: Flo Health, ein Anbieter für eine App für Frauen, um ihre Periode, ihren Eisprung und ihre Schwangerschaft zu tracken, erhielt 2024 eine Investition von über USD 200 Mio. durch General Atlantic und erreichte damit als erste rein digitale Frauengesundheits-App eine Bewertung von über USD 1 Mrd. Ebenfalls 2024 sammelte Maven Clinic, ein digitales Gesundheitsunternehmen für Frauen, USD 125 Mio. ein und erhöhte damit die eigene Gesamtfinanzierung auf über USD 425 Mio.. Im März 2025 übernahm das im Bereich FemTech und Müttergesundheit führende US-Unternehmen Willow Innovations den britischen Femtech-Pionier Elvie, um eine globale Plattform im Bereich Müttergesundheit aufzubauen.
Diese Beispiele zeigen, dass Women’s Health und Femtech zunehmend als investierbare Healthcare-Segmente wahrgenommen werden – zunächst häufig über VC- und Growth-Kapital, perspektivisch aber ebenso als Buy-and-Build-Thema für strategische Käufer und Finanzinvestoren. Letztere nehmen gerade auch die zunehmend attraktiven Wachstums- und Exit-Möglichkeiten in den Blick.
Women’s Health und Femtech als Wachstumsfeld für Healthcare-M&A
Für die rechtliche Betrachtung ist entscheidend, Transaktionen im Bereich Women's Health und Femtech nicht isoliert als Lifestyle- oder Consumer-Tech-Thema zu behandeln. Der passende rechtliche und transaktionsbezogene Rahmen ist Life Sciences & Healthcare-M&A. Transaktionen in diesem Bereich sind regelmäßig dadurch geprägt, dass regulatorische Anforderungen, klinische Evidenz, Datenschutz, Produkt-Compliance, Erstattung und operative Skalierbarkeit eine zentrale Rolle spielen.
Auch die CMS European M&A Study 2026, in welcher CMS basierend auf 601 Transaktionen, bei denen CMS im Jahr 2025 europaweit beratend tätig war, die Marktpraxis- und -entwicklung analysiert und zusammenfasst, liefert wichtige Anknüpfungspunkte. Die Studie zeigt, dass der Bereich Life Sciences & Healthcare 2025 gleichbleibend stark ist (durchschnittlich 10 % im Zeitraum 2015 bis 2024). Zugleich beschreibt sie eine zunehmende Bedeutung von Finanzinvestoren auf Käuferseite bei Life Sciences & Healthcare-M&A-Transaktionen. Deal-Treiber sind die Erreichung des Markteintritts, der Erwerb von Know-how und Ausschalten von Wettbewerbern.
Women’s-Health-Angebote sind häufig fragmentiert. Fertility, Menopause, Gynäkologie, mentale Gesundheit, Diagnostik, Telemedizin und Employer-Benefit-Modelle werden oft getrennt angeboten. M&A kann helfen, solche Angebote zusammenzuführen und skalierbare Women’s-Health-Plattformen aufzubauen.
Für (strategische) Käufer kann Women’s-Health-sowie Femtech Zugang zu neuen Zielgruppen, Datenmodellen, digitalen Versorgungspfaden oder spezialisierten Healthcare-Plattformen eröffnen. Für Finanzinvestoren verbinden sich Wachstum, Impact und Exit-Perspektive.
Damit verschiebt sich die Wahrnehmung: Women’s Health und Femtech sind nicht mehr nur isolierte Produkt- oder Versorgungsthemen, sondern zunehmend strategische Buy-and-Build- und Exit-Themen innerhalb von Healthcare-M&A.
Venture Capital und Private Equity bei Women’s Health und Femtech
Infolgedessen zeigt sich bei den Investoren ein zunehmend differenziertes Bild. Es gibt vermehrt spezialisierte Venture Capital (VC)-Investoren mit ausdrücklichem Fokus auf Women’s Health und/oder Femtech, etwa Amboy Street Ventures oder Goddess Gaia Ventures. In diesem Bereich spezialisierte Private-Equity(PE)-Fonds im engeren Sinn sind dagegen noch selten. PE-Investitionen erfolgen häufiger über breitere Healthcare-, Life-Sciences-, Digital-Health- oder Growth-Strategien. Dies ist jedoch nicht überraschend: Frühere Finanzierungsrunden werden von spezialisierten VC- und Impact-Investoren getragen, während die spätere Skalierung und Exits häufig für strategische Käufer, Growth-Investoren oder Healthcare-PE-Häuser interessant werden.
Aus M&A-Sicht ist diese zunehmende Spezialisierung der Investoren bedeutsam, weil spezialisierte Investoren häufig nicht nur Kapital, sondern auch Sektorverständnis und regulatorisches Know-how mitbringen sowie Netzwerke zu Leistungserbringern und leichteren Zugang zu künftigen Investoren in späteren Finanzierungsrunden eröffnen. Das kann die Skalierbarkeit der Women’s Health bzw. Femtech-Geschäftsmodelle erhöhen und Zielunternehmen perspektivisch attraktiver für strategische Käufer oder größere Finanzinvestoren machen.
Due Diligence bei Women’s-Health- und Femtech-Transaktionen
Die Due Diligence sollte die für Zielunternehmen typischen Kernfragen gezielt adressieren. Entscheidend ist zunächst die Einordnung des Produkts oder Geschäftsmodells. Handelt es sich um ein Medizinprodukt, ein In-vitro-Diagnostikum, eine digitale Gesundheitsanwendung, ein Wellness-Produkt, reine Software oder eine Healthcare-Service-Plattform? Von dieser Einordnung hängen regulatorische Anforderungen, klinische Evidenz, Werbung, Haftung und Erstattung ab. Bei digitalen Geschäftsmodellen kommen Datenschutz, Datenrechte, Cybersecurity und gegebenenfalls KI-spezifische Fragen hinzu.
Vertiefende Hinweise zu regulatorischen und transaktionsbezogenen Besonderheiten im Gesundheits- und MedTech-Umfeld finden sich etwa in unseren CMS-Beiträgen zu Private-Equity-Transaktionen im MedTech-Bereich, Private Equity & MVZ: Rechtssichere Transaktionen im Gesundheitswesen, Private Equity in regulierten Branchen: Herausforderungen und Chancen, KI-Medizinprodukte zwischen MDR und AI Act: Reform voraus sowie allgemeiner M&A, Folge 3: Die Due Diligence.
Women’s Health und Femtech: Was bei M&A-Transaktionen zählt
- Women’s Health und Femtech nicht als bloßes Lifestyle- oder Consumer-Tech-Thema behandeln: Käufer sollten früh klären, ob sie ein reguliertes Produkt, ein datengetriebenes Geschäftsmodell, eine Versorgungslösung oder eine Plattform erwerben.
- Die regulatorische Einordnung ist zentral: Ob es sich etwa um ein Medizinprodukt, ein In-vitro-Diagnostikum, eine DiGA, ein Wellness-Produkt oder eine Healthcare-Service-Plattform handelt, beeinflusst die wesentlichen Risiken einer Transaktion.
- Bewertung, Skalierbarkeit und Exit-Fähigkeit hängen von der Due Diligence ab: Regulatorische, datenbezogene und kommerzielle Fragen sollten dabei zusammengeführt werden.
- Digitale Geschäftsmodelle erfordern zusätzliche Prüfungen: Bei Femtech-Unternehmen können insbesondere Datenschutz, Datenrechte, Cybersecurity und gegebenenfalls KI-spezifische Fragen relevant sein.
- Due-Diligence-Ergebnisse sollten unmittelbar in Bewertung und Vertragsgestaltung einfließen: Je nach identifizierten Risiken können insbesondere Kaufpreis, Earn-out-Strukturen, Garantien, Freistellungen und Closing Conditions betroffen sein.