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Die Berichterstattungen über rufschädigende und kostspielige Skandale im Sportbereich häufen sich, so etwa bezüglich Korruption), Wettbetrug und Spielmanipulation (Matchfixing im türkischen Profifußball) und bezüglich unethischen Verhaltens von Trainer:innen und Fans. Bei einem Compliance-Verstoß drohen nicht nur zivil- und strafrechtliche Konsequenzen, sondern insbesondere auch massive Reputationsschäden durch Negativschlagzeilen in der Presse, mitunter mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen.
Gleichzeitig haben Compliance-Themen aufgrund zunehmender nationaler sowie internationaler Regulierung an Fahrt aufgenommen. Dieser Beitrag bündelt die zentralen Entwicklungen im Compliance-Bereich und gibt konkrete Empfehlungen für den Profisport.
Für den Profisport relevante regulatorische Entwicklungen seit 2024 im Bereich Compliance
Welche regulatorischen Entwicklungen sind besonders zu erwähnen? Hervorzuheben sind der EU Artificial Intelligence Act zur Regulierung Künstlicher Intelligenz (KI-Verordnung, EU-VO 2024/1689), das EU Omnibus-Paket, der Digital Operational Resilience Act (DORA, EU 2022/2554) im Finanzsektor und die europäische Verpackungsverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation, EU-VO 2025/40). Auf EU-Ebene wurde zudem das Geldwäschepaket finalisiert und die Aufsichtsarchitektur neu geordnet. Kernelemente des Geldwäschepakets sind die EU-Geldwäscheverordnung (EU-VO 2024/1624) und eine neue EU-Aufsichtsbehörde mit Sitz in Frankfurt a.M., mit welcher erstmals eine supranational zuständige EU-Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (AMLA) eingerichtet wurde (EU-AMLA-VO, EU-VO 2024/1620).
Für den Profisport besonders relevant: Ab dem 10. Juli 2029 gilt die EU-Geldwäscheverordnung, die für andere Verpflichtete bereits ab Mitte 2027 gilt, auch für Fußballvermittler und Profifußballvereine in Bezug auf bestimmte Transaktionen. Praktisch erfordert dies tragfähige KYC/KYTP-Prozesse u.a. in Transfers, Vermittlungen, und Sponsoring – einschließlich Ermittlung wirtschaftlich Berechtigter und Verdachtsmeldungen an die Financial Intelligence Units.
Datenschutz- und Digitalregulierung wirken unmittelbar auf die Sport-Compliance. Aufsichten konkretisieren Anforderungen an KI-Tools (Scouting, Ticketing, Fan-Engagement, Integrity Analytics).
Nachhaltigkeits- und menschenrechtliche Sorgfaltspflichten prägen Lieferketten, Merchandising und Events. Große Clubs müssen Risiken systematisch identifizieren, präventiv steuern und Abhilfe dokumentieren.
Auch im Profisport sind Compliance Management Systeme weiterzuentwickeln
Steigende regulatorische Anforderungen sind frühzeitig in den Blick zu nehmen. Im Markt ist eine Weiterentwicklung der internen Compliance Management Systeme in den Profi-Clubs zu begrüßen. Gleichwohl sind ein risikobasierter Ansatz und Verhältnismäßigkeit zu beachten.
Im Hinblick auf die Geldwäscheprävention verschieben sich Maßstäbe mit der Einbeziehung sportnaher Akteure in den Verpflichtetenkreis. Als Folge einer solchen Verpflichtung ergeben sich konkrete Compliance-Pflichten zur Etablierung einer Geldwäscheprävention. Dies gilt insbesondere bei Beteiligungen und Investitionen in die Vereine selbst als auch bei dem Transfermarkt von Spieler:innen, die häufig von Intransparenz in Bezug auf Zahlungsströme und Finanzierungsquellen geprägt sind. Weitere Geldwäscheprobleme bergen etwa das Sponsoring, der Ticketverkauf und die fortschreitende Kommerzialisierung des Profisports.
Hochrisikoprozesse aus Compliance-Sicht sollten vertiefte Standards erhalten, dazu gehören Checklisten, Freigabeschwellen, zielgruppenspezifische Schulungen ebenso wie häufigere Audits.
KI-gestützte Systeme etwa in den Bereichen Scouting, Ticketing, Fan-Engagement und Integritätsanalytik schaffen Chancen und Pflichten. KI-Compliance und Data Governance sind auch im Profisport wichtige Compliance-Themen. Drittanbieter sollten vertraglich auf Sicherheits-, Compliance- und Auditstandards verpflichtet werden.
Auch für den Profisport gilt: Hinweisgebersysteme sollten niedrigschwellig, mitunter mehrsprachig, technisch sicher und unabhängig sein – mit klaren Untersuchungs- und Eskalationspfaden. Mittlerweile etablierte Hinweisgebersysteme und die entsprechenden Meldestellen sollten sich auf Meldungen im #MeToo-Kontext vorbereiten. Spätestens durch das Verhalten von Luis Rubiales (ehemaliger Nationaltrainer der spanischen Frauenmannschaft) bei der Siegerehrung der Fußball-WM der Frauen sind Machtmissbrauch und #MeToo-Vorfälle im Sport in den Fokus zahlreicher Diskussionen gerückt.
Die Durchführung einer internen Untersuchung bei einem #MeToo-Verdachtsfall erfordert – auch vor dem Hintergrund erheblicher Risiken – rechtlich präzise Arbeit und Fingerspitzengefühl. Ein besonderes Augenmerk ist auf die Interviews zu legen. Die Einschaltung externer Rechtsanwält:innen ist frühzeitig zu erwägen.
Die Ausarbeitung von Notfall- und Krisenprotokollen für Compliance-Vorfälle ist zu empfehlen – Medienleitfäden und Stakeholder-Kommunikation gehören dazu.
Der Tone from the Top prägt die gelebte Compliance-Kultur. Compliance ist und bleibt Führungsaufgabe.
Immer am Ball bleiben – auch im Bereich Compliance
Der Profisport sollte sich weiterhin eine zunehmende Transparenzschaffung auf die Fahne schreiben. Ein Positivbeispiel kann hier die Verabschiedung des Sportfördergesetzes darstellen, durch das Maßgaben für die Förderung des Spitzensports vorgegeben und eine hierfür zuständige, unabhängige Stelle in Form einer Stiftung eingerichtet worden sind.
Der Regulierungsdruck steigt weiter: mehr geldwäscherechtliche Pflichten für sportnahe Akteure, verfestigte Hinweisgeber-/Integritätsstandards und strengere KI-Compliance. Wer frühzeitig risikobasierte Prozesse, transparente Third-Party-Beziehungen sowie belastbare Daten- und Untersuchungsmechanismen etabliert, reduziert Rechts-/Reputationsrisiken. Gleichzeitig stehen die Chancen gut, Vorteile bei Sponsoren, Investoren und Talenten zu gewinnen.
„Immer am Ball bleiben“ lautet das Compliance-Motto auch für den Profisport.
Wir informieren Sie in unserer Blog-Serie „Fußball & Recht“ fortlaufend mit aktuellen Beiträgen zu diesem Thema. Darunter finden Sie Beiträge wie „Ticketzweitmarkt: Tickets aus dem Netz – und dann kein Einlass?”, „Zwischen Neutralität und Sanktion: Politische Konflikte im Sport“ oder "Werbung mit der Fußball-WM – Was ist erlaubt?".