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Veröffentlichung 03 Dez 2025 · Deutschland

Strategische Re­struk­tu­rie­rung in der Au­to­mo­bil­bran­che 2026

StaRUG, CEE-Stra­te­gien und ESG als Treiber der Neuordnung

4 min. Lesezeit

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Die Automobilindustrie steht vor einer Zäsur: Digitalisierung, Elektrifizierung und geopolitische Umbrüche verändern Wertschöpfungsketten, Geschäftsmodelle und rechtliche Rahmenbedingungen nachhaltig. 2026 wird zu einem Jahr strategischer Neuordnung.

Transformation als Dauerzustand

Die Entwicklung hin zu softwarebasierten Fahrzeugarchitekturen, datengetriebenen Geschäftsmodellen und batterieelektrischen Antrieben verändert die Industrie in ihrem Kern. Zugleich beschleunigen geopolitische Spannungen und fragile Lieferketten den Druck zur Reorganisation. Besonders der Mittelstand – traditionell Rückgrat der Zulieferindustrie – steht vor der Herausforderung, in neue Kompetenzfelder zu investieren und Geschäftsmodelle neu auszurichten. Der Trend geht dabei hin zu regional stabileren Beschaffungsstrukturen, insbesondere in Mittel- und Osteuropa.

Rechtliche Rahmenbedingungen gezielt nutzen

Die Transformation bringt vielfältige Restrukturierungsanforderungen mit sich. Deutschland verfügt mit dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) über ein modernes Instrumentarium, um finanzielle und operative Anpassungen frühzeitig und außerhalb eines Insolvenzverfahrens einzuleiten. Ergänzend bietet die (vorläufige) Eigenverwaltung im Schutzschirmverfahren flexible Sanierungsmöglichkeiten bei komplexen Restrukturierungen. Bei übertragenden Sanierungen ist zudem auf eine haftungs- und insolvenzrechtlich belastbare Strukturierung von Distressed-M&A-Transaktionen zu achten, sowohl inländisch als auch grenzüberschreitend. Dabei gewinnen auch präventive Restrukturierungsinstrumente in Mittel- und Osteuropa an Bedeutung, etwa in Tschechien und der Slowakei, deren rechtliche Rahmenbedingungen sich deutlich weiterentwickelt haben

Regulatorische Dichte und ESG als Herausforderung

Neben ökonomischem Druck prägen regulatorische Themen die Restrukturierungspraxis immer stärker. ESG-Vorgaben, verschärfte Umweltauflagen und nationale Förderstrategien beeinflussen Investitionsentscheidungen unmittelbar. Hinzu kommen protektionistische Tendenzen und Handelsrestriktionen, die neue juristische Risiken schaffen. Unternehmen müssen daher die Krisenfrüherkennung nach § 1 StaRUG erweitern: Nicht nur finanzielle Indikatoren, sondern auch regulatorische Entwicklungen und Markttrends sind heute Bestandteil einer vorausschauenden Restrukturierungsstrategie.

Mittel- und Osteuropa als Stabilitätsanker und Chancenraum

Die CEE-Region bleibt für deutsche Automobilunternehmen ein zentraler Faktor. Sie bietet Zugang zu qualifizierten Fachkräften, Nähe zu den Hauptmärkten und wachsende Bedeutung als Fertigungsstandort für batterieelektrische Komponenten. Hinter dieser Stabilität verbergen sich jedoch zunehmende mikroökonomische Spannungen: In der Zulieferindustrie steigt die Zahl wirtschaftlich angeschlagener Unternehmen. Für strategische Investoren eröffnet dies selektive Chancen – für bestehende Akteure bedeutet es die Notwendigkeit, Lieferkettenrisiken aktiv zu steuern und frühzeitig Restrukturierungsoptionen zu prüfen.

Wettbewerb durch neue Marktteilnehmer

Zugleich intensivieren chinesische Marktteilnehmer ihre Investitionen in der Region, insbesondere in Ungarn und Serbien, und schaffen damit einen signifikanten Wettbewerbsdruck im Bereich der Elektromobilität. Die daraus resultierenden Veränderungen erfordern von deutschen Unternehmen eine differenzierte rechtliche und strategische Positionierung, insbesondere in Bezug auf die Sicherung geistigen Eigentums, Compliance und Lieferbeziehungen. Erfolgreiche Restrukturierung bedeutet künftig, operative Flexibilität mit juristischer Präzision zu verbinden.

Lieferkettenstabilität durch proaktive Sanierungsinstrumente

Restrukturierung sollte nicht erst dann erfolgen, wenn Krisen eskalieren. Frühzeitige Risikoidentifikation, etwa über die Beobachtung von Insolvenzregistern, und der rechtzeitige Einsatz präventiver Instrumente sind entscheidend. Der Einsatz frühinterventiver Regelungen, wie etwa der Umwandlung von Verbindlichkeiten in Eigenkapitalpositionen, kann nicht nur die Kontinuität der Produktion sichern, sondern auch langfristige Wertschöpfungspotenziale erschließen.

Diversifikation als strategische Perspektive – Verteidigungssektor im Fokus

Ein wachsender Teil der Branche prüft derzeit die Erweiterung ihres Portfolios in Richtung Verteidigungsindustrie. Europäische Aufrüstungsprogramme schaffen erhebliche Nachfrageschübe und bieten attraktive Margen. Die Nutzung vorhandener Produktionskapazitäten für Dual-Use-Komponenten ermöglicht eine wirtschaftlich und beschäftigungspolitisch sinnvolle Brücke. Aus rechtlicher Sicht erfordert diese Diversifikation eine präzise gesellschaftsrechtliche Strukturierung, etwa durch rechtlich getrennte Geschäftsbereiche oder Tochtergesellschaften. Das StaRUG kann hierbei als flexibles Werkzeug zur Neuordnung von Kapitalstrukturen dienen. Gleichwohl müssen Unternehmen ethische Implikationen und Nachhaltigkeitsanforderungen in ihre Entscheidungsprozesse integrieren.

Ausblick: Restrukturierung als Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit

Die Automobilindustrie wird 2026 weiter von Unsicherheit, technologischem Fortschritt und geopolitischer Neuordnung geprägt sein. Restrukturierung ist deshalb heute mehr denn je ein strategisches Steuerungswerkzeug. Wer rechtzeitig handelt, regulatorische Entwicklungen antizipiert und neue Geschäftsfelder klug integriert, sichert nicht nur seine Wettbewerbsfähigkeit – sondern gestaltet den Wandel aktiv mit. Das StaRUG und die wachsende Vielfalt internationaler Restrukturierungsinstrumente bieten dafür einen rechtssicheren Rahmen. Entscheidend ist, diesen frühzeitig und interdisziplinär zu nutzen.

Weiterführende Lektüre: „Mobilität im Fokus“

Vertiefende Einblicke in aktuelle Trends und rechtliche Entwicklungen im Automotive-Sektor bietet die Broschüre „Mobilität im Fokus“ unseres Automotive & Mobility Teams. 

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